Die schönsten Missbildungen auf Erden - so
könnte man die Perlen nennen, denn sie entstehen durch Abwehrreaktionen
perlbildender Muscheln und Schnecken gegen einen Fremdkörper.
Zu Beginn der Perlbildung wird der Fremdkörper mit Epithelgewebe umgeben,
das normalerweise die Schale dieser Weichtiere einschließlich der inneren
Perlmuttschicht erzeugt. Anschließend wird auch hier Perlmutt gebildet und der
ganze Fremdkörper mit körpereigener Substanz umhüllt.
Seltsamerweise kommt dieser Vorgang danach nicht zum Stillstand, sondern es wird
weiter Schicht auf Schicht abgelagert, solange das Tier lebt.
Die in kühleren Gewässern lebenden Muscheln scheiden etwa 0,15 mm Perlschicht pro Jahr
ab, die größeren Südsee-Perlmuscheln erzeugen bis zu 2 mm jährlich.
Daraus und aus der Lebensdauer der Muscheln ergibt sich eine natürliche Obergrenze
für die Größe von Perlen.
StrukturIn Aufbau und
Struktur gleichen Perlen dem Perlmutt; es besteht hauptsächlich aus Kalk
in Form von winzigen, durchscheinenden Aragonit-Plättchen,
die durch ein organisches Bindemittel, das Conchyn (oder Konchiolin),
zusammengehalten werden, sowie ca. 4 % Wasser.
Dieser Struktur verdankt die Perle ihre im Vergleich zu Mineralen beachtliche
Elastizität, die sie beim Fall zurückfedern lässt. Perlen überstehen deshalb so
manchen Stoß, aber sie verkratzen leicht wegen der geringen
Härte
von 2,5 bis 4,5 (meist um die 4).
Der seidige Glanz und Schimmer (Lüster) der Perle entsteht durch
Lichtbrechung
an den Aragonit-Kriställchen, während das Conchyn als Farbträger fungiert.
Die ältesten bekannten Perlen stammen von Flussmuscheln.
Bis heute sind Süß- und Meerwassermuscheln die wichtigsten Perllieferanten,
neben denen andere Mollusken (einige Meeresschnecken und der Nautilus) nie ins
Gewicht fielen. Bis etwa 1920 gab es nur die echten Naturperlen (Orientperlen):
Naturperlen
Orientperlen ohne menschliche Mitwirkung durch Zufall
entstanden. Von den Muschelbänken brachten Perltaucher die Tiere
an Land, wo sie getötet und nach Perlen durchsucht wurden.
Da bestenfalls jede tausendste Muschel eine Perle von guter Qualität enthält,
wurden die Bestände so drastisch dezimiert, dass Naturperlen zur Rarität geworden
sind. Für die Schmuckherstellung sind sie heute ohne Bedeutung.
Zuchtperlen
So gesehen kam die Erfindung der Zuchtperle gerade recht, um die Nachfrage zu
befriedigen und die Natur zu entlasten.
Auch die Zuchtmuscheln verlieren bei der Ernte ihr Leben, aber dank der hohen Perlenausbeute
hält sich das Gemetzel in Grenzen. Die Bestände werden z.T. durch Nachzucht
regeneriert.
Bei der Perlzucht macht man sich die Erkenntnisse über die
natürliche Entstehung und das Wachstum der Perlen zunutze und ahmt diese nach.
Der fast ausgewachsenen Muschel wird eine Perlmuttkugel zusammen mit einem Stückchen
lebendem Mantelgewebe eingepflanzt. Verwendet man kleinere Kügelchen, können es
auch zwei oder mehr in einer Muschel sein. Dann werden die Muscheln in Körben
ins Meer zurückgebracht, wo sie ihre Arbeit verrichten und gepflegt werden
bis zur Ernte nach maximal vier Jahren.
Je länger die Perle wachsen kann, desto dicker und wertvoller wird die Schale.
Dünnschalige Perlen besitzen noch keinen schönen Lüster und können nach einiger
Zeit bis auf den Kern abschleißen.
Es hat sich gezeigt, dass Perlen auch ohne einen Kern allein dadurch
entstehen können, dass perlbildendes Mantelgewebe ins Innere der Muschel gebracht
wird. Solche kernlosen Perlen sind von Naturperlen praktisch nicht mehr zu
unterscheiden; sie sind allerdings wie jene selten rund.
Obwohl also die Grenze zwischen Natur- und Zuchtperlen oft schwer erkennbar ist,
dürfen nach wie vor nur solche Perlen als echte Perlen bezeichnet werden, die
ohne menschliche Nachhilfe entstanden sind. Alles was aus Zuchtbetrieben stammt,
d.h. praktisch alles, sind Zuchtperlen.
Darunter ist sicher hin und wieder, unerkannt und nicht identifizierbar, eine spontan
gebildete echte.
Imitationen
Ohne Mitwirkung eines lebenden Perltieres hergestellte Schmuckperlen sind Imitationen.
Es gibt darunter durchaus ansehnliche und dauerhafte Produkte, die sich nur
bei genauem Hinsehen als Imitationen zu erkennen geben. Erwähnenswert sind die auf
Mallorca hergestellten Perlen (Handelsname Majorica),
die auf einem Kunststoffkern mehrere Schichten einer aus Fischschuppen gewonnenen
Substanz tragen.
Weniger überzeugend sind dagegen durch Aufsprühen silbriger Lacke
erzeugte Imitationen.
Lüster
Charakteristischste Eigenschaft der Perle ist ihr irisierender Schimmer, ein über der
Oberfläche schwebender Lichtschein in allen Farben des Regenbogens. Diese als Lüster
bezeichnete Erscheinung tritt am deutlichsten bei hellen Perlen hervor.
Lüster ist nicht einfach Glanz, den schon dünnschalige Perlen aufweisen können,
während der Lüster erst bei ausgereiften Perlen voll zur Entfaltung gelangt.
Farbe
Zur Schönheit der Perle trägt nicht zuletzt die delikate Farbigkeit bei.
Perlen sind selten vollkommen weiß, es überwiegen zarte Pastelltöne,
auch grau bis nahezu schwarz kommt vor.
Rein weiße Perlen sind zwar die teuersten, aber nicht immer die beste Wahl.
Oft passt eine leicht getönte Kette besser zu einem bestimmten Hauttyp.
Und das reizvolle Farbspiel, kleine Unterschiede an und zwischen den einzelnen
Perlen, gibt es nur bei farbigen Perlen.
Die Wertschätzung bestimmter Farben wechselt mit der Zeit, wenn auch nicht
so schnell wie die Mode. Die Hersteller passen sich der Nachfrage an und färben
weniger schöne oder begehrte Ware um, was wegen der guten Farbannahme des Conchyns
nicht schwierig ist. Fast alle schwarzen Japan-Zuchtperlen
dürften gefärbt sein. Auch Ketten ohne die geringsten Farbunterschiede lassen vermuten,
dass sie gefärbt sind. Die verwendeten Farbstoffe sind nicht weniger dauerhaft als die
natürlichen, so dass gefärbte Perlen mehr eine Geschmacks- als Qualitätsfrage sind.
Umgekehrt lassen sich farbige Perlen auch entfärben, z.B. durch Bleichen mit
Wasserstoffperoxid.
Größe
Neben Lüster und Farbe sind vor allem Größe und Form der Perle wertbestimmend.
Große Zuchtperlen sind teurer, weil bei gleichem Aufwand die Ausbeute,
d.i. die Zahl der Perlen je behandelte Muschel, sinkt.
Obwohl zu einer Kette bestimmter Länge weniger große Perlen benötigt werden als kleine,
sind dicke Perlschnüre bei vergleichbarer Qualität erheblich teurer.
Form
Die runde Form ist immer noch die beliebteste und teuerste.
Runde Naturperlen waren schon ihrer Seltenheit wegen kostbar, und es nimmt
nicht Wunder, dass die japanischen Zuchtperlen, die ja ihres runden Kerns wegen
überwiegend rund ausfallen, anfangs Furore machten. Doch mit der Zeit wurde der Reiz
unregelmäßiger Formen wiederentdeckt, und die sog. Barockperle feierte ihr Come-back.
Barockperlen fesseln die Aufmerksamkeit, wirken größer und lebhafter. Sehr gesucht
- und entsprechend teuer - sind langovale und tropfenförmige Perlen, weil sie sich
gut zu Ohrschmuck eignen. In Form und Farbe passende Paare sind besonders schwer
zu finden.
Oberfläche
Ein letztes Qualitätsmerkmal ist die Oberfläche.
Als Naturprodukt weisen Perlen stets individuelle Unterschiede auf. Kleine
Unebenheiten oder Flecken sind typische Kennzeichen der echten Perle, wogegen
Kratzer und Sprünge wertmindernde Mängel darstellen.
Akoya
Die klassische japanische Zuchtperle wird nach der örtlichen Bezeichnung für die
Perlmuschel Akoya genannt. Ihre typische Farbe ist weiß-gelb oder cremefarben,
andere Farben kommen seltener vor. Graue und schwarze Akoya-Perlen sind
fast immer gefärbt, ebenso roséfarbene.
Die Akoya-Muschel (Pinctada Martensii) verträgt ohne Probleme einen
Kern von 6 mm Durchmesser, mit steigendem Risiko für das Leben der Muschel auch
größere bis maximal 10 mm.
Für das Wachstum der Schale stehen bis zu 4 Lebensjahre zur Verfügung, was bei
einer jährlichen Wachstumsrate von etwa 0,15 mm eine Schichtdicke zwischen
0,1 und 0,6 mm ergibt. Im Vergleich zum Kern bleibt die äußere Perlschicht
also dünn und trägt zur Größe der Perle nicht viel bei.
Südsee
Eine auffällige Erscheinung ist die Südseeperle, die seit etwa 1970 in
nennenswerten Mengen gehandelt wird. Sie wird in größeren Muscheln
(Pinctada Margaritifera und P. Maxima) gezüchtet und kann daher auch größere
Kerne aufnehmen als die Akoya-Muschel. Hinzu kommt, dass die Perlschicht in den
wärmeren Gewässern zehnmal so schnell wächst: 1,5 bis 2 mm jährlich,
so dass eine Perle schon nach 2 Jahren 6 bis 8 mm größer geworden ist.
Südseeperlen werden in Größen von 8 bis 20 mm angeboten.
Sie zeigen eine reiche Farbpalette: silberweiß, grünlich, goldgelb, rosé,
braun, grau in allen Schattierungen bis zu den (fast) schwarzen
TahitiTahiti-Perlen.
Südseeperlen sind selten regelmäßig und fast nie ganz rund.
Die barocke, zuweilen bizarre Form gehört zu ihren Kennzeichen.
Mabe
Mit der Südseeperle eng verwandt ist die Mabe-Perle, eine Zuchtperle, die nicht
im Fleisch der Muschel sondern unmittelbar auf der Perlmuttschale gewachsen ist.
Die Zucht erfolgt durch Einpflanzen gewölbter Kerne zwischen Mantel und Schale.
Da sie immer mit der Schale verwachsen, müssen sie aus dieser herausgeschnitten
werden und haben folglich eine Abseite. Die Perlschicht von ca. 0,5 bis 1 mm
Dicke wird vom ursprünglichen Kern abgelöst und mit einer passenden Perlmuttform
ausgefüllt.
Mabe-Perlen zeichnen sich durch eine gute bis makellose Oberfläche aus
und messen gewöhnlich über 10 mm im Durchmesser. Sie sind preiswert, weil sie
schnell wachsen und aus einer Muschel stets mehrere Perlen gewonnen werden.
Aufgrund ihrer Form eignen sie sich bestens für Ohrclips und Broschen. Auch für Ringe
kann man sie verwenden, wobei jedoch die Empfindlichkeit der Perlschicht zu
beachten ist.
Biwa
Unter den Süßwasser-Zuchtperlen ist die Biwa-Perle am bekanntesten.
Benannt ist sie nach dem Zuchtort, dem japanischen Biwa-See.
Die typische Biwa-Perle ist, da kernlos gezüchtet, meist klein und unregelmäßig,
aber sehr farbenfroh. Perlen mit mehreren Farben (sog. multicolor) sind häufig.
Im Laufe der Zeit kamen auch größere und rundere Perlen auf den Markt, besonders
nachdem es gelungen war, diesen Muscheln Kerne einzusetzen.
Leider kam aufgrund von Umweltschäden die Perlzucht im Biwasee zum Erliegen.
ChinaSeit etwa 1975 exportiert China
steigende Mengen von Süßwasserperlen,
die zwar von anderen Muscheln stammen, den Biwa-Perlen aber ähnlich sind und
sogar als solche bezeichnet werden, sozusagen als Gattungsbegriff.
Inzwischen haben diese Nachfolger das Original praktisch ersetzt.
Sahen die China-Perlen anfangs noch ziemlich mickrig aus, so werden mittlerweile
auch ansehnliche Qualitäten angeboten.
Kasumiga
Seit einigen Jahren hat sich am zweitgrößten japanischen Binnensee Kasumiga-Ura
ein neues Zentrum der Perlenzucht etabliert. Die dort produzierten hochwertigen
Perlen entstammen einer Kreuzung zwischen chinesischer und japanischer
Süßwasser-Perlmuschel. Daher erscheint der Anspruch auf einen selbständigen Namen
gerechtfertigt. Die Kasumiga-Perle enthält einen runden oder flachen Kern,
der die Form der Perle vorgibt. Häufigste Farben sind das begehrte Rosé und
andere zarte Rottöne.
Keshi
Keshi-Perlen sind kernlose Nebenprodukte bei der Zucht von Salzwasser-Perlen.
Vermutlich entstehen sie, wenn sich bei der Operation eingesetzte Gewebestückchen
selbständig machen oder der Kern von der Muschel ausgestoßen wird.
Auch winzige Schalensplitter kommen als Auslöser in Frage.
Nicht auszuschließen ist, dass absichtlich überschüssiges Mantelgewebe
eingestreut wird, um einen kleinen Zusatzprofit zu erzielen.
Und die völlig spontane natürliche Perlbildung, die ja auch in Zuchtmuscheln
vorkommt, liefert ebenfalls einen kleinen Beitrag.
Keshi-Perlen ähneln den entsprechenden Zuchtperlen, aus deren Muscheln sie
entstammen. Akoya-Keshi sind nicht größer als 4 mm und stets barock. Die kleinsten
werden als SaatperlenSaatperlen bezeichnet.
Die Südsee-Keshi kommen dank des schnellen Wachstums in allen Größen vor.
Wie alle kernlosen Perlen nehmen sie überwiegend unregelmäßige Formen an.
Zum Abschluss dieses Kapitels noch zwei Bezeichnungen für Perlketten:
CollierEin (Verlauf-) Collier ist eine Kette von
45 bis 50 cm Länge, deren Perlen im Mittelteil wesentlich größer sind als
an den Enden. Im weiteren Sinne steht Collier für Halsschmuck allgemein.
Eine Kette aus gleich großen Perlen heißt ChokerChoker.
(Bei größeren Perlen sind auch hier die Endperlen etwa ½ mm kleiner,
was aber nicht auffällt.)
Beim Umgang mit Perlen sollten zwei Besonderheiten beachtet werden:
Perlen haben eine empfindliche Oberfläche und sie enthalten neben mineralischen
auch organische Bestandteile und Wasser. Ähnliches gilt für Korallen, Elfenbein und Bernstein.
Daraus ergeben sich meine Ratschläge für die vorbeugende Pflege:
Vermeiden Sie Kontakt zu harten Gegenständen!
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Tragen Sie Perlenketten nie zusammen mit Metallketten.
Auch am Badestrand sind Perlen sehr gefährdet, nicht nur durch Diebe sondern auch
durch Sand. Bei der Gartenarbeit sollte man eh keinen Schmuck tragen
und bei der Hausarbeit keine Ringe.
Bewahren Sie Ihre Perlen getrennt von anderen Schmuckstücken auf.
Vermeiden Sie Kontakt zu Kosmetika!
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Perlen fürchten alles, was in Dosen und Flaschen daherkommt.
Legen Sie Ihren Schmuck also immer erst nach der großen Abendtoilette an
und vor allem: schützen Sie Ihre Perlen vor Haarspray!
Säuren, Farbstoffe und Lösungsmittel können Perlen ruinieren. Perlketten, die
auf der Haut getragen wurden, sind dankbar, wenn man sie anschließend mit einem
weichen (Mikrofaser-) Tuch abreibt; es darf auch feucht sein.
Meiden Sie Hitze und Wasser!
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Die Perlsubstanz enthält etwas Wasser, das sie nicht entbehren kann.
Deshalb mögen Perlen keine andauernde trockene Hitze; und der feine Perlfaden
aus Seide leidet, wenn er öfters nass wird.
Noch ein Hinweis: Perlfäden verschleißen im Gebrauch durch Reibung
an den Perlen. Deshalb müssen sie von Zeit zu Zeit erneuert werden, möglichst bevor
sie zerreißen. Wann es soweit ist, lässt sich schwer voraussagen. Bei selten
getragenen Ketten können es zehn Jahre sein, bei Dauergebrauch vielleicht ein Jahr,
in Kinderhand fünf Sekunden.
Beachten Sie bitte auch meine weiteren Empfehlungen zur
Schmuckpflege.
Sie finden bei mir eine Auswahl verschiedener Perlen als Ketten, in Ringen, Broschen und Ohrschmuck. Falls Sie etwas Ungewöhnliches oder Ausgefallenes suchen, fragen Sie mich. Durch meine guten Geschäftsverbindungen kann ich manches besorgen, wonach Sie vergeblich gesucht haben oder was Ihnen anderswo zu teuer erschien.